Der Ton macht die Musik

Rhetorische Finesse, würdevolles Auftreten, Demut: Die Ansprüche an (demokratische) Staatsoberhäupter und Regierungschefs sind im 21. Jahrhundert mitnichten gesunken. Ganz im Gegenteil scheint das Amt des Präsidenten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung weiterhin übermenschliche Fähigkeiten vorauszusetzen. Trotz Aufklärung, Säkularisierung, Industrieller Revolution und Siegeszug der exakten Wissenschaften haftet dem Posten des Staatslenkers ein im gesellschaftlichen Mainstream längst verdrängt geglaubter Mythos an: Als Repräsentant seiner Nation umweht ihn ein postroyaler Souveränitätshauch, der einst weltliche und göttliche Macht zu vereinen trachtete.

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Zwischen Reminiszenz und Recycling

Wer die sich stetig wandelnde Landschaft der Popkultur aufmerksam verfolgt, wird gemerkt haben: Einiges sehen wir nicht zum ersten Mal. Auch abseits von Tattoo-Chokern, blinkenden Schuhen und gewollt hässlichen, natürlich-nur-ironisch-getragenen 80er-Looks feiern vor allem viele Serien ihr Revival und bewegen sich damit irgendwo zwischen Reminiszenz und Recycling.

[Ein Gastbeitrag von Sarah Elena Kirchmaier]

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Die Sache mit der Technik

Neben vielen anderen Dingen, von denen ich ehrlich gesagt wohl auch kaum irgendetwas verstehe, hat uns Laien das Virus Wannacry letzte Woche wieder einmal beeindruckend gezeigt, wie wichtig Windows-Updates sind. Im begrenzten Kosmos eines interessierten Ahnungslosen erfüllt sich hier die Binsenweisheit der einzigen Sicherheit: Unsicherheit.

Neben viel Glück zeigt die Attacke mehr als deutlich, dass mit der Ausbreitung von IT-Systemen und der Vernetzung von so gut wie allen Dingen, welche uns bald einmal umgeben werden oder schon umgeben, vor allem auch die Abhängigkeit steigt. Schon heute sind die meisten Nutzer von Technik (mich eingeschlossen) wohl kaum in der Lage auch nur ansatzweise deren Funktionsweise zu verstehen. Neben dem herkömmlich bekannten Datenwahn wird durch Wannacry aber vor allem deutlich, wie abhängig sich selbst öffentliche Infrastruktur wie das britische Gesundheitssystem von der Update-freude der dort arbeitenden Angestellten macht bzw. von der Bereitschaft, Lizenzen für neuere/ aktuellere/ „sichere“ Betriebssysteme bereitzustellen. Wenn auch glücklicherweise genauso Verlass auf die guten wie die schlechten Experten (lies: Hacker?) zu sein scheint, so ist doch recht Eindrucksvoll bewiesen, dass sich nach NSA Skandal, Datenlecks und Finanzkrise noch immer eine Expertengruppe vollkommen abseits des Sichtfelds politsicher Mainstreamanalysen zu befinden scheint:

Die Gruppe derjenigen, die in der Lage sind, kritische Systeme u.a. auf fast dem gesamten Planeten binnen weniger als einem Wochenende lahm zu legen.

Erinnert man sich an den „kleinen“ Fauxpas der IT im Bundestag zurück, erscheint es fast erschreckend wie das LiMux-Projekt am „hohen Aufwand“ scheiterte. Schade um die Möglichkeiten einer Gesellschaft (lies: Utopie), deren Verwaltung auf freier Software basieren und deren Entwicklung vorantreiben würde. So verbleibt nur zu hoffen, dass das Smart Home nicht auf alten Systemen läuft.

Die Hohe Kunst des (Nicht-) Wählens

Sonntag, kurz nach 18 Uhr. Der Souverän und Jörg Schönenborn haben gesprochen. Let the games begin. Was will uns der Wählerwille in seiner unendlichen Weisheit mitteilen? Will er jetzt Jamaica oder doch eher Küste? Zuckt die Ziege oder bleibt sie ruhig? Delphi war sicherlich einfacher. Wer ist eigentlich dieser Souverän und wo kann ich ihn treffen? Und was ist eigentlich mit den Wählerinn…ach, egal, lassen wir das. Read More

Schall und Rauch

Budapest ist sowohl für den europäischen als auch für den transkontinentalen Tourismus längst kein Geheimtipp mehr. Dabei weiß die ungarische Hauptstadt nicht nur durch ihre prominente Lage am Donauufer zu überzeugen. Etliche Wahrzeichen der Stadt haben es seit Ende der 80er auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes geschafft. Hier seien exemplarisch die Burg auf dem Budaer Berg mitsamt dem königlichen Palast, der Gellertberg mit dem Freiheitsdenkmal sowie, am gegenüberliegenden Ufer in Pest, das prunkvolle Parlament mit sage und schreibe annähernd 700 Sälen genannt.

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It’s not just the economy, stupid

Trump, Brexit und der Aufstieg des Populismus“ heißt die Studie der renommierten US-Universität Harvard, in der die Politikwissenschaftler Inglehart und Norris die simple Frage stellen: Wer sind die Wähler rechtspopulistischer Parteien, wirtschaftliche Habenichtse oder kulturell Abgehängte? Was erklärt das Wahlverhalten besser, die Economic Insecurity- oder die Cultural Backlash-These? Read More