Zwischen den Welten

Der 01. Mai ist ein besonderer Tag, denn wenn man will, kann man aus der eigenen Alltagswelt ein bisschen ausbrechen. Eine beobachtende Hommage zum Tag der Arbeit in Berlin.

Sonntagmittag reißt die Sonne ein Loch sowohl in den wolkenverhangenen April-Himmel als auch in den Berliner Party-Kalender und lädt zum Verweilen ein. Der lokale Pop-Radiosender aber warnt: Im Wedding würde sich „die linke Szene schonmal warm demonstrieren“ – politisches Statement zum Baustein im Workout-Plan herabdegradiert.

Aber man hat sich im örtlichen urbanen Gemeinschaftsgarten niedergelassen, und mit Bio-Limonade in der Hand wirkt die draußen vorbeiziehende Demogemeinschaft doch weit entfernt von der eigenen Lebensrealität und obendrein vermeintlich überschaubar. Übertragen auf die Kitas würde der Betreuungsschlüssel Polizist–Demonstrierender paradiesische Zustände verheißen.

Selten prallen Welten so aufeinander: Demo, öffentlicher Spielplatz und urbaner Gemeinschaftsgarten – weites Spektrum auf 3 Häuserblocks. Bewegt man sich dann aus der wörtlichen und übertragenen Komfortzone heraus, zeigt sich: Doch keine so überschaubare Demo, sondern thematisch vielfältige Akteure, die für ein paar Stunden die Straße zum öffentlichen Raum machen und den anderen Welten zeigen, was es sonst noch so gibt an Themen und Perspektiven.

Dieser Brückenkopf zwischen Welten verstärkt sich dann bei der 01.-Mai-Gewerkschafts-Demo: Egal ob Sonnenaffinität, soziales Problembewusstsein, Aufmerksamkeitsbedarf oder das Ideal gemeinschaftlicher Öffentlichkeit motivieren  – für einen kurzen Moment verschmelzen die Welten hier, und man kommt kaum umhin sich die vielen Lebensrealitäten, in denen wir unterwegs sind, bewusst zu machen. Als Demo-Musik direkt nach Böhmermann die deutschen Pop-Poeten zu spielen, ist zwar eindeutig zu viel der Weltverschmelzung – aber der Moment war da. Und auch wenn am Ende die Straße Richtung Alltag geräumt wird, geht man etwas anders, darauf hoffend, dass das Gefühl wieder bis nächstes Jahr hält.

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