Grexit: Mehr Schein als Sein

Ein Kommentar zum vermeintlichen Euro-Austritt Griechenlands

Der Mann der Stunde ist: Alexis Tsipras. Denn der 40-Jährige hat gute Chancen, vom griechischen Oppositionsführer zum mächtigsten Regierungschef Europas zu avancieren. Die Wahlkampfrhetorik seiner Partei – kurz: Widerstand gegen europäische und internationale Sparauflagen – beunruhigt die Finanzmärkte. Der Verdacht lautet: Griechenland werde aus dem Euro austreten.

Doch die Debatte über den „Grexit“, ein Modewort der Medien, ist übertrieben. Denn Tsipras beabsichtigt nicht, sein Land oder Europa weiter in den Abgrund zu stürzen. Sein Ziel: Die Schulden Griechenlands neu zu verhandeln, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Rentenkürzungen und Steuererhöhungen haben das Wachstum abgewürgt und zur Verarmung der Bevölkerung beigetragen. Zwar konnte Griechenland an die Märkte zurückkehren und einen Haushaltsüberschuss erzielen. Doch die Wirtschaftskrise ist längst nicht vorüber.

„Syriza will nicht den Zusammenbruch, sondern die Rettung des Euro“, schrieb Tsipras kürzlich in der Huffington Post. Ein Chaot klingt anders. Allein könnte er ohnehin nicht regieren, seine Partei bekäme keine Parlamentsmehrheit. Das zeigt: Eine radikale Kehrtwende in Sachen Euro wäre von seiner Regierung wohl nicht zu erwarten. Die Verhandlungen mit der Troika werden hart, wenn Syriza an die Macht kommt. Doch eine Katastrophe für Europa, das heute stabiler als 2012 dasteht, wäre die Wahl Alexis Tsipras‘ sicherlich nicht.

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2 Kommentare

  1. Thomas · Juli 9, 2015

    Die nächsten Stunden werden zeigen, ob es hier zu einer Einigung kommt. Letzendlich muss man aber auch darüber nachdenken, was in Zukunft anders gemacht werden muss, dass kein weiteres EU Land in eine solche Situation kommt, denn schließlich kann es nehmen Griechenland noch andere Länder treffen.

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